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„Vom Anschlag zum Kopfplakat“ – Politische Plakate im Wandel

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Politische Plakate haben eine lange Tradition. Auch wenn sich ihre Ausprägung und Bedeutung im Lauf der Zeit stark verändert hat, hatten sie doch immer die gleiche Appellfunktion: Aufmerksamkeit wecken, überzeugen und Überzeugung in die Tat umsetzen.

Das Plakat oder auch „Anschlag“ wie es früher hieß, ist Träger der subjektiven Meinung des Senders und Auftraggebers. Es soll damit Handlungen und Attitüden beim Empfänger hervorrufen. Doch ein politisches Plakat kann auch verraten, was der Absender verschweigen wollte. Heutzutage sind Plakate kaum mehr so bedeutend, wie früher. Sie sind erstrangig historische Quellen.
Anschläge“ tauchen das erste Mal, so wie wir sie kennen, im 16. Jahrhundert auf. Zur Zeit der niederländischen Befreiungskriege wurden die ersten Flugblätter entwickelt. Zuerst dienten Plakate und Flugblätter lediglich als Informationsträger. So wurden durch sie Theaterspielpläne, Kinoprogramme oder Veranstaltungen bekannt gegeben. Reine Schriftplakate, wie sie damals Gang und Gebe waren, sind heute eher die Ausnahme. Heute sind Plakate, vor allem Wahlplakate, auf das Wesentliche reduziert.

In den Jahren 1848/49 hatte der „Anschlag“ seine Blütezeit. Die Zensur wurde gelockert und so konnten Parolen, Bekanntmachungen und Befehle an Hauswänden verbreitet werden. Um 1900 tauchte dann erstmalig das Wort „Plakat“ in einem Lexikon auf.
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden die Kultur- und Wirtschaftsplakate entwickelt. Plakatierung wurde zum ultimativen Werbemedium, durch welches zum Kauf angeregt wurde. Dass sich Plakate immer weiter verbreiteten, lag nicht zuletzt an der verbesserten Drucktechnik: Vom Steindruck über die Lithographie wurde schließlich im 20. Jahrhundert der Offsetdruck erfunden, der den Druck von Plakaten immer billiger machte. Mittlerweile sind auch Online-Druckerein mit einem vielfältigen Angebot weit verbreitet.
Auch die Litfaßsäule nahm und nimmt einen großen Platz in der Geschichte des Plakats ein. Die Litfaßsäulen waren und sind ein zeitloser Werbe- und Informationsträger. So konnten Botschaften am Wegesrand übermittelt werden.
Mit dem ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik rückte vor allem die Propagandafunktion in den Vordergrund. Plakate standen nun voll „im Dienst des Vaterlandes“. Sie wurden unter anderem zur Finanzierung des Krieges genutzt.
In den 1920er Jahren wurde neben dem Fotoplakat die Werbepsychologie entwickelt. Um ein gutes Plakat zu kreieren, mussten verschiedene Kriterien erfüllt werden: rasche Lesbarkeit, dynamische-diagonale Komposition und expressive Linienführung waren die Zauberwörter der damaligen Werbebranche. Auch einige Stereotypen und zeitgenössische Symbole wurden auf Plakaten genutzt.

Mit der Nazizeit verschwanden die Wahlplakate. Und mit Beginn des Krieges 1939 kam das ganze Plakatwesen vollends zum Erliegen. Erst mit Kriegsende 1945, als Zeitungswesen und Rundfunk in den völlig zerstörten deutschen Städten nicht mehr existierten, erlangte der Schriftanschlag dank einfacher technischer Handhabung wieder eine besondere Stellung im öffentlichen Leben.
Seit 1960 spricht bei Plakaten von so genannten „Kopfplakaten“. Im Wahlkampf wurden und werden Plakate mit Politikerporträts verwendet, um das Vertrauen der Bevölkerung – meist mit einem kleinen Lächeln – zu erwecken.

Dass das Plakat heute nur noch ein optisch begleitender Sekundant neben den anderen Medien im Wahlkampf ist, kann man nicht zu Letzt daran erkennen, dass Plakate früher von individuellen Plakatkünstlern und heute von anonymen Grafikteams entworfen wurden. Trotzdem haben wir ihnen viel zu verdanken.

„Darf das Kanzler werden?“

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Ab und wann erregen Wahlplakate großes öffentliches Interesse und finden überall viel Interesse. Auslöser dafür sind häufig entweder einprägsame oder aber provokante Inhalte. Besonders spektakulär gelang dies den meisten Plakaten der „Partei.“

Die wahrscheinlich spektakulärsten Wahlplakate der jüngeren Geschichte lieferte die, von den Machern des Satiremagazins „Titanic“, gegründete „Die Partei“. Wider jeglichen moralischen Instanzen führten sie den Wahlkampf ad Absurdum, entlehnten sich Slogans anderer Parteien, modifizierten diese und nutzten sie fortan provokativ, mitunter sogar komplett sinnentleert. Berufend auf Chlodwig Poths satirischer Aussage „Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag.“ entwarfen sie eine Plakatserie rund um eine erneute Teilung Deutschlands. Legendäre Plakate dieser Serie bedienten sich folgenden Slogans: „„Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen!“ Außer uns.“, „Geteiltes Leid ist halbes Leid.“ oder „Südafrika 2010: Mit 2 Teams zur WM!“. Die Teilungsthematik wurde in regelmäßigen Abständen wieder aufgegriffen und führt immer noch zu heftigen, kontroversen Diskussionen.

Bundesweite, mediale Aufmerksamkeit fand „Die Partei“ spätestens mit ihrem „Anti Merkel“ Wahlkampf, stürzten sich doch alle Boulevardmedien darauf und verurteilten dies ohne jedoch auf den Ursprung der Satire näher einzugehen. Die damaligen Plakate zierte ein Portrait von Angela Merkel, auf dem selbige unvorteilhaft, da betrübt missmutig, wirkt. Unterlegt ist dieses Bild mit der rhetorischen Frage „Darf das Kanzler werden?“. Das Plakat schrieb Satiregeschichte und darf getrost als eines der meistdiskutierten Wahlplakate der neueren Geschichte betrachtet werden.

Aber auch auf regionaler Ebene zeichnete sich die Partei für skandalöse aber auch sehr mediokre Landeswahlkampfplakate aus.
In Baden-Württemberg wurde „Oettiner stürzen“ beworben. Entsprechendes Plakat zierte jedoch nicht das Konterfei des damaligen baden württembergischen Landesvater sondern das eines eine Flasche der Biermarke Oettinger stürzende, im Sinne von auf Ex leerende, Person.
Die Hamburger Plakatkampagne wendete sich gegen Ole von Beust. Hierfür wurden zwei ähnliche Plakate entworfen. Beide zeigen sein Portrait, eines richtet sich jedoch an potentielle CDU-Wähler („CDU-Wähler AUFGEPASST: Ole von Beust ist schwul!“) und eines an potentielle homosexuelle Wähler („Schwule Wähler AUFGEPASST: Ole von Beust ist in der CDU!“).
Der diesjährige Berliner Wahlkampf richtete sich gegen die aussichtsreichsten Kandidaten, die Spitzenkandidaten der SPD sowie der Grünen. Mit dem anschließenden Bezug auf den, mittlerweile verstorbenen, Eisbären Knut erfolgte eine ironische Brechung der vorherigen Slogans: „Wowereit/ausstopfen!/Künast/frisieren!/Knut/wiederbeleben!“.

Noch grandioser, da komplett sinnentleert mutet ihr Wahlplakat „Inhalte überwinden!“ an. Begreift man diese spektakulären, aufs höchste provozierende, Plakate als die Bevölkerung wachrüttelnde Satire kann man sie getrost und mit Freude genießen. Nimmt man sie jedoch ernst, bereiten sie einem schnell Angst um die Zukunft unserer Politik.

Die Werbewirkung von Wahlplakaten

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Vor einer Wahl werden die Straßen in den Städten mit unzähligen Plakaten aller Parteien regelrecht gepflastert. Als Bürger kann man sich kaum dagegen wehren, ständig von den Plakaten aus angegrinst und umworben zu werden. Doch eine tatsächliche Wirkung dieser Plakate kann kaum erwartet werden, oder etwa doch?

Jede größere Partei plakatiert die wichtigsten ihrer Versprechen und verbindet so den eigenen Namen mit den Wünschen der Wähler. Mit geschickt gewählten Aussagen kann sogar suggeriert werden, dass eine andere Partei für das genaue Gegenteil steht. Ob dies der Wahrheit entspricht oder nicht, muss der Wähler mühsam aus den Archiven der bisherigen politischen Entscheidungen sammeln. Auch ein Wahlprogramm mag hilfreich sein, doch hierbei kann die Formulierung ebenso weit an der Wahrheit vorbeigehen, wie auf den Plakaten selbst.

Vielen Wählern scheint dies inzwischen bewusst. Die Plakate selbst werden nicht mehr unbedingt geglaubt. Dies ist eine positive Entwicklung in der Demokratie. Aber nur, falls der Unglaube zu der Bereitschaft führt, sich umfassend zur Politik des eigenen Landes zu informieren. Leider führen Plakate, die einander und den Programmen bzw. dem bisherigen Verhalten in der Politik widersprechen eher zu einer Wahlmüdigkeit. Den Wählern ist mehr und mehr egal, wen sie wählen, weil sie keine Unterschiede zwischen den Parteien erkennen können. In dieser Lage kann nun das Plakat doch wieder an Wirkung gewinnen.

Wenn ein Wähler kurz vor der Wahl noch immer keine Lust oder Zeit hatte, sich mit den Parteien genau auseinanderzusetzen, kann es sein, dass das sympathischste Plakat tatsächlich den entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen Parteien erzielt. Das ist eine negative Entwicklung in der Demokratie. Als Partei auf Plakate zu verzichten ist aber ebenfalls nicht zu empfehlen. Denn gerade die kleineren Parteien können nur über solche Plakate auf sich aufmerksam machen und eine weitergehende Beschäftigung mit dem Programm bewirken. Wahlentscheidend sollten die Plakate aber nicht sein. Vermutlich sind sie es aber dennoch viel zu oft.

Der Einsatz von Wahlplakaten

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Sie sind ein eindeutiges Zeichen für anstehende Wahlen: Wahlplakate prägen ab circa vier Wochen vor Kommunal-, Landtags-, Bundestags- und Europawahlen die Stadtbilder. Gerade in Großstädten sind oftmals kaum mehr Straßenlaternen anzutreffen, an denen nicht mindestens ein Wahlplakat hängt. Wahlplakate gibt es in verschiedenen Ausführungen: Für die Parteien oder Einzelbewerber am teuersten sind große Aufstellflächen. Aufgrund ihrer Größe erzielen sie am meisten Wirkung, da sie aus dem Schilderwald herausstechen und kaum zu übersehen sind. Hinzu kommen viele kleinere Varianten in den Formaten DinA1 und DinA0.

Diese sind wiederum in unterschiedlichen Varianten erhältlich. Zum einen gibt es sie in Papierform und müssen dann entweder per Kleister auf Holzbretter oder in Folien per Lampenhänger angebracht werden. Zum anderen haben in den letzten Jahren Wahlplakate eine zunehmende Verbreitung gefunden, bei denen das Motiv bereits auf einer Kunststofftafel aufgedruckt ist. Diese Wahlplakate sind zwar im Ankauf teurer und können nur einmalig bei Wahlen verwandt werden, in der Anbringung sind sie aber weniger zeitaufwendig.Inwieweit Wahlplakate zum Erfolg oder Misserfolg von Parteien bei Wahlen beitragen, ist in der Forschung umstritten. Der Einfluss auf die Wahlentscheidung ist nur schwer zu ermitteln. Wahlberechtigte sehen sich mit ziemlich vielen Faktoren konfrontiert, unter anderem mit Medienberichten, Wahlwerbung im Briefkasten, Gespräche im Verwandten- und Bekanntenkreis, Infoständen, Haustürbesuchen der Kandidierenden und zudem mit langfristigen, emotionalen Bindungen an Parteien. Es ist deshalb unmöglich festzustellen, welche Faktoren am Ende zu welchen Anteilen die Wahlentscheidung beeinflussten.

Auch die Parteien erhalten vor Wahlen konträre Rückmeldungen. So gibt es Wahlberechtigte, die sich über die vielen Wahlplakate beschweren. Sympathisanten einer Partei mokieren dagegen teilweise, dass ihr Favorit in ihrem Stadtteil oder ihrer Gemeinde nicht ausreichend plakatiert habe. Sicher ist jedoch, dass die Qualität eines Plakates eine große Bedeutung hat. Ist ein Plakat gut gestaltet, steckt hinter ihm eine gute Idee, können die Eigenschaften von Kandidierenden und Parteien vor Wahlen verdeutlicht werden. Das zu Vermittelnde muss dabei einen gewissen realen Hintergrund haben, es muss glaubwürdig sein, also zu Kandidat und Partei passen: Ansonsten wird nur schwer ein Effekt auf die Wahlen zu erzielen sein. Es ist zudem wichtig, dass die Botschaften auch gelesen werden. Eine zu kleine Schrift oder ungünstige Farbkombinationen sind häufig zu findende Fehler.