Vor einer Wahl werden die Straßen in den Städten mit unzähligen Plakaten aller Parteien regelrecht gepflastert. Als Bürger kann man sich kaum dagegen wehren, ständig von den Plakaten aus angegrinst und umworben zu werden. Doch eine tatsächliche Wirkung dieser Plakate kann kaum erwartet werden, oder etwa doch?
Jede größere Partei plakatiert die wichtigsten ihrer Versprechen und verbindet so den eigenen Namen mit den Wünschen der Wähler. Mit geschickt gewählten Aussagen kann sogar suggeriert werden, dass eine andere Partei für das genaue Gegenteil steht. Ob dies der Wahrheit entspricht oder nicht, muss der Wähler mühsam aus den Archiven der bisherigen politischen Entscheidungen sammeln. Auch ein Wahlprogramm mag hilfreich sein, doch hierbei kann die Formulierung ebenso weit an der Wahrheit vorbeigehen, wie auf den Plakaten selbst.
Vielen Wählern scheint dies inzwischen bewusst. Die Plakate selbst werden nicht mehr unbedingt geglaubt. Dies ist eine positive Entwicklung in der Demokratie. Aber nur, falls der Unglaube zu der Bereitschaft führt, sich umfassend zur Politik des eigenen Landes zu informieren. Leider führen Plakate, die einander und den Programmen bzw. dem bisherigen Verhalten in der Politik widersprechen eher zu einer Wahlmüdigkeit. Den Wählern ist mehr und mehr egal, wen sie wählen, weil sie keine Unterschiede zwischen den Parteien erkennen können. In dieser Lage kann nun das Plakat doch wieder an Wirkung gewinnen.
Wenn ein Wähler kurz vor der Wahl noch immer keine Lust oder Zeit hatte, sich mit den Parteien genau auseinanderzusetzen, kann es sein, dass das sympathischste Plakat tatsächlich den entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen Parteien erzielt. Das ist eine negative Entwicklung in der Demokratie. Als Partei auf Plakate zu verzichten ist aber ebenfalls nicht zu empfehlen. Denn gerade die kleineren Parteien können nur über solche Plakate auf sich aufmerksam machen und eine weitergehende Beschäftigung mit dem Programm bewirken. Wahlentscheidend sollten die Plakate aber nicht sein. Vermutlich sind sie es aber dennoch viel zu oft.
